Attuale (disponibile solo in tedesco)

Auszeichnung durch Landtagspräsidentin Ilse Aigner: Mödlareuth ist ein „Ort der Demokratie in Bayern“

Pressemitteilung LRA Hof

Der kleine Ort Mödlareuth an der bayerisch-thüringischen Grenze wurde heute von Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner feierlich als „Ort der Demokratie in Bayern“ ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Rahmen eines Festakts im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth statt. Zugleich wurde die begleitende Ausstellung „Orte der Demokratie in Bayern“ eröffnet.

Mit der Auszeichnung würdigt der Bayerische Landtag die Bedeutung des Dorfes als Symbol für die deutsche Teilung und die Grenze zwischen Diktatur und Demokratie. Zugleich hebt er die zentrale Rolle der Erinnerungskultur für das Verständnis und die Stärkung unserer demokratischen Gesellschaft hervor, heißt es in der Mitteilung des Bayerischen Landtags.

Dr. Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof und Vorsitzender des Zweckverbandes Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, betont:  „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, die einmal mehr unterstreicht, dass Mödlareuth ein Ort von nationaler Bedeutung ist. Für uns ist es Auftrag und Motivation zugleich, diesen Ort und die deutsch-deutsche Geschichte vor allem auch für junge Menschen erlebbar zu machen. Dorf ist Museum, Museum ist Dorf – dies ist einzigartig.“

Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagte in ihrer Festrede: „Mödlareuth strahlt über seine eigenen Grenzen weit hinaus. Nämlich wenn Diktaturen verharmlost werden und repressiver Zwang mit Gleichgültigkeit quittiert wird, dann ist Mödlareuth ein Wegweiser für die Freiheit: Denn hier ist der DDR-Wachturm abgelöst worden durch einen Leuchtturm der Demokratie!“ Dies sei insbesondere durch das Engagement der Bevölkerung möglich geworden, so Aigner. Zwar hätten Bayern und Thüringen den Auf- und Ausbau der Erinnerungskultur unterstützt, „aber die Initiative und die Arbeit vor Ort und das Gesicht von Mödlareuth, das sind die Menschen hier“, so die Landtagspräsidentin: „Mödlareuth ist heute vereint in Demokratie und Freiheit, weil Menschen sich dafür richtig ins Zeug gelegt haben.“

Im Rahmen des Festaktes eröffnete die Landtagspräsidentin zudem die neue Sonderausstellung „Orte der Demokratie in Bayern“. Die Wanderausstellung des Bayerischen Landtags beleuchtet die Geschichte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung anhand historischer Schauplätze und persönlicher Geschichten im ganzen Freistaat. Gezeigt wird, wie sich politische Teilhabe und Freiheit von frühen Bauernaufständen über die Revolutionen bis hin zur parlamentarischen Demokratie entwickelt haben. Dabei nutzt die Ausstellung großformatige Graphic-Novel-Panels, Zeitzeugenberichte, historische Exponate und interaktive Medienstationen.

Die Sonderausstellung „Orte der Demokratie in Bayern“ kann ab sofort bis Ende Januar 2027 auf der Galerie im neuen Museumsgebäude besucht werden. Parallel dazu erzählt im Erdgeschoss die im November 2025 eröffnete Dauerausstellung des Deutsch-Deutschen Museums auf 500 Quadratmetern die Geschichte der deutschen Teilung aus zwei Perspektiven: aus der großen politischen Geschichte des Kalten Krieges und aus dem Alltag der Menschen in Mödlareuth. Zeitzeugenberichte, persönliche Erinnerungsstücke, historische Dokumente sowie digitale Medien und virtuelle Anwendungen vermitteln eindrucksvoll, wie tiefgreifend sich Diktatur und Grenzregime auf das Leben der Menschen ausgewirkt haben.

Lebendige Erinnerungskultur: Aus ‚Little Berlin‘ wurde ein aktiver Lern- und Gedenkort

Die heutige Auszeichnung würdigt auch die Entwicklung des Ortes Mödlareuth vom geteilten Dorf hin zu einem Ort mit aktiv gelebter Erinnerungskultur, der sich seiner Verantwortung als Lern- und Gedenkort von nationaler Bedeutung bewusst ist.

Die Geschichte des Dorfes ist einzigartig und symbolisch zugleich: Bereits seit 1810 war das Dorf verwaltungstechnisch geteilt – der nördliche Teil gehörte zum Fürstentum Reuß, der südliche zum Königreich Bayern. Diese Grenze spielte im Alltag und im Zusammenleben jedoch kaum eine Rolle. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus eine politische Systemgrenze, die zunehmend befestigt wurde. Ab 1966 wurde das kleine Dorf schließlich über 23 Jahre lang durch Mauer, Stacheldraht und Grenzanlagen geteilt. Familien, Nachbarn und Freundschaften wurden getrennt. So erhielt Mödlareuth den Beinamen ‚Little Berlin‘.

Bis heute sind originale Teile der Grenzanlagen erhalten, denn beim Fall der Mauer beschlossen die Bürgerinnen und Bürger vor Ort, diese – wenngleich schmerzhaften – Spuren ihrer Geschichte für nachfolgende Generationen zu bewahren, und begründeten das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Das Museum erzählt die Geschichte der Teilung dort, wo sie tatsächlich stattgefunden hat. Genau das macht den Ort heute zu einem der authentischsten Gedenkorte der deutschen Teilung.

Das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth: Geschichts- und Demokratievermittlung für künftige Generationen

Das Deutsch-Deutsche Museum ist selbst Ausdruck gelebter Wiedervereinigung. Kurz nach dem Mauerfall auf privater, bürgerschaftlicher Basis gegründet, ist sein Träger seit nunmehr 20 Jahren ein länderübergreifender Zweckverband aus Bayern, Thüringen und Sachsen. Gemeinsam entwickeln die beteiligten Landkreise Hof, Saale-Orla und Vogtland sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell das Museum als Lern- und Erinnerungsort weiter. Jüngst wurde es mit einem vielbeachteten Neubau samt neuer Dauerausstellung erweitert, maßgeblich unterstützt durch Förderungen des Bundes, der Freistaaten Bayern und Thüringen sowie der Oberfrankenstiftung.

Die Bedeutung des Museums reicht weit über Mödlareuth hinaus. Es ist heute Gedenkort, Bildungsstätte und Begegnungsort zugleich. Nationale und internationale Besucher sowie Studierende und Schulklassen aus ganz Deutschland setzen sich hier mit Demokratie, Diktatur und Menschenrechten auseinander. Mit seinem Erweiterungsprojekt, das im Herbst 2025 abgeschlossen wurde, ist das Museum nun räumlich, inhaltlich und medial auf eine neue Ebene gehoben worden und fit für kommende Generationen. Es ist nicht Denkmal einer abgeschlossenen Vergangenheit, sondern ein lebendiger Ort, an dem die Bedeutung von Freiheit immer wieder neu verstanden werden kann. Gerade in einer Zeit, in der Krieg, Flucht und neue Grenzziehungen Europa erneut beschäftigen, gewinnt dieser Ort zusätzliche Aktualität. Mödlareuth erzählt die Geschichte eines kleinen Dorfes. Zugleich erzählt es die Geschichte Deutschlands – eindringlich, authentisch und aktueller denn je.